Hallenbad Nordkirchen – oder: Wir sagen viel zu wenig Danke!

Veröffentlicht am 15.11.2016 in Kommunalpolitik

Die Gruppe Nordkirchen wie auch die SPD Nordkirchen betreiben jeweils eine Facebook-Seite. Dabei gehört es zum Üblichen, interessante Beiträge Dritter auf diesen Seiten als Link zu posten (wie es in der Sprache heute heißt). Ein solcher Link verwies auf einen Beitrag von Theo Wolters, Redakteur in der Lokalredaktion der Ruhr Nachrichten (eine stets sehr gute Quelle für lokale Nachrichten), in dem er sich mit der aktuellen Finanzsituation der Gemeinde Nordkirchen auseinander setzt.  

Lesen Sie weiter, über welch verschlungene Wege (Nordkirchen, Ostfriesland, Oberbayern, Nordkirchen) der Pfad von den Gemeindefinanzen 2016 zum geplanten Nordkirchener Hallenbad führt....

So weit, so gut. Noch besser: Menschen lesen die Beiträge auf den Facebook-Seiten, Menschen nicht nur aus Nordkirchen und den Nachbarkommunen, nein, auch von weiter her. Ein solcher Mensch hat sich bei dem zitierten Beitrag aus den Ruhr Nachrichten mit dem bekannten „Daumen hoch“ von Facebook „verewigt“. Der Name, Jan Averdung“ machte stutzig (...den kenne ich doch von irgendwo her…) und neugierig (...is‘ser das?). Ja, es ist es, der ehemalige Betreiber des Nordkirchener Hallenbades. Neugier im Zusammenhang mit Facebook bedeutet auch: Schaun‘ wir mal, was der Herr Averdung denn so auf seiner Facebook-Seite schreibt. Er berichtet dort (kaum zu glauben) über das Schwimmbadwesen, insbesondere selbstverständlich über seine Hallenbäder, aber auch über das Thema Hallenbäder ganz allgemein.

Auch Herr Averdung verlinkt auf seiner Seite Presseartikel – und einer heißt: „Finanzen – Bayern kann sich seine Schwimmbäder nicht mehr leisten“ und entstammt der Süddeutschen Zeitung. Natürlich weckt die Überschrift bei einem Westfalen gleich ein Gefühl gewisser Schadenfreude: Und siehe da, ein Spiegelbild der Situation in Nordkirchen – und ganz, ganz anders.

Was steht nun in der „Süddeutschen“: „Ein paar hundert Meter sind es vom Bad zum Rathaus, Bürgermeister Adolf Hornsteiner (Gemeinde Mittenwald, 8.500 Einwohner) findet Zeit für ein Gespräch, bevor er los muss zum Seniorennachmittag. "Es gibt schönere Aufgaben für einen Bürgermeister, als das Schwimmbad nach 44 Jahren zu schließen", sagt der CSU-Politiker. Er verstehe die Emotionen, müsse aber auf Fakten pochen: Die Betriebskosten, 650 000 Euro im Jahr, seien zu keiner Zeit gedeckt gewesen. Mittenwald gehe es nicht so gut, man verliere Einwohner und Gästebetten, ständig gebe es neue Aufgaben. Neulich sei ein Mülllaster in den Asphalt der Straße eingebrochen, wieder Kosten. "Wir können uns das Bad nicht mehr leisten. Seit Jahren nicht." Er müsse, so Hornsteiner, "die Pflichtaufgaben abarbeiten", dann könne er überlegen, "was aus dem Strauß freiwilliger Aufgaben" möglich sei. Ob ein Bad dazugehöre, sei fraglich: Laut Hornsteiner zählt Mittenwald 30 000 Badegäste im Jahr, plus 14 000 in der Sauna. Umfragen unter den Touristen hätten ergeben, dass 95 Prozent von ihnen das Bad nicht besuchen. "Ist das dann wirklich existenziell wichtig?"

..."Ich muss ans Geld denken", sagt Bürgermeister Hornsteiner, der als Bub das Schwimmen im See gelernt hatte. Er wartet, wie die Bürger entscheiden, und ob er dann ein riesiges Problem bekommt - unter zehn Millionen Euro ist ein Neubau nicht zu machen;...“

Die Situation ähnelt der in Nordkirchen wie ein Ei dem anderen. Nur die Lösung war erkennbar in Nordkirchen eine völlig andere – und die ist einer Gruppe von Menschen, deren Arbeit und Engagement wir im Hype um den geplanten Hotelneubau nebst Hallenbad und Wellnessbereich ganz vergessen, geschuldet: Dem interfraktionellen Arbeitskreis Hallenbad des Rates der Gemeinde Nordkirchen in dem (wer erinnert sich noch) Rats- und AusschussvertreterInnen Seite an Seite mit KollegInnen der Gemeindeverwaltung und „Externen“ mit entsprechender Fachkompetenz an der Frage gearbeitet haben: Lässt sich ein Hallenbad für die Gemeinde Nordkirchen so konzipieren, dass es die Bedürfnisse der verschiedenen NutzerInnen erfüllt und dennoch finanziell tragbar bleibt.

Und anders als in Mittenwald (und da unterscheiden sich eben Westfalen von Bayern) hat der Arbeitskreis verschiedene Lösungsszenarien erarbeitet, die allen ziemlich gerecht würden. Zwar fehlt die endgültige Festlegung auf das präferierte Szenario noch, aber ber Arbeitskreis hätte sicherlich eine Lösung dem Rat längst präsentiert, wenn nicht die Idee eines Hotels mit Hallenbad „in die Zielgeraden“ gegangen wäre.

Die Lösungsszenarien folgen dem, was in der Werbewirtschaft als so genannten Prinzip „reduce to the max“ bezeichnet wird, also auf gut deutsch: Gebaut werden sollte das, was wirklich notwendig ist und auf das, was unter Einbeziehung der Bewirtschaftungskosten, durch die Gemeinde Nordkirchen auf gestemmt werden könnte.

Eine Zahl ist schwer zu nennen, weil die Arbeit des Arbeitsgruppe auch stets eine integrierte Ersatzsporthalle mit umfasste, aber es liegen für die kombinatorischen Lösungsszenarien validierte Kostenschätzungen vor – und wird einmal versucht, das Hallenbad „herauszurechnen“, dann sprechen wir in Nordkirchen über Investitionen von 3 – 3,5 Mio. € und nicht über mindestens 10 Mio. € wie in Mittenwald.

Woran liegt das? Wahrscheinlich daran, dass in Mittenwald mindestens über ein „Spaßbad light“ als zwingend nachgedacht wurde, während sich der Arbeitskreis in Nordkirchen auf das konzentriert hat, was wirklich notwendig ist:

  • Schulschwimmen,
  • die Arbeit der DLRG,
  • die Aktivitäten des Tauschsportvereins und
  • das sport- und gesundheitsorientierte Schwimmen des so genannten „Allgemeinen Badebetriebs“.

Also keine „Wellnessangebote“, keine Sauna, kein Solarium, kein integrierter Restaurantbetrieb, weil alle diese Dinge sich erfahrungsgemäß nicht selbst tragen und das ohnehin nicht vermeidbare Defizit eines Hallenbadbetriebs noch erhöhen.

Wie gesagt: Seine Ideen hätte der Arbeitskreis sicherlich bereits präsentiert, wenn sich jetzt nicht eine Lösung bieten würde, die von den finanziellen Belastungen vergleichbar sein wird, daneben aber noch das bietet, was die Ökonomie eine „höhere Nutzenstiftung“ nennt. Und der Feind des Guten ist nun mal das Bessere.

Aber: Wir sollten die vorbildliche Arbeit des Arbeitskreises nicht vergessen und allen seinen Mitgliedern ein herzliches Danke sagen, weil sie mögliche Lösungen erarbeitet haben, von denen eine wahrscheinlich den Segen der Kommunalpolitik erhalten hätte – und die immer noch „Plan B“ für den Fall ist, dass aus welchen Gründen auch immer ein Kooperationslösung mit dem geplanten Hotel doch nicht zustande kommt. Außerdem macht es einfach Spaß, mal in Richtung Bayern zu sagen: So wird verantwortungsvoll mit kommunalen Finanzen umgegangen.

Bildquelle: Material der Gemeinde Nordkirchen

 
 

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